Trägerwerk soziale Dienste

Ein Football-Camp ist mehr als Sport

Demminer Zeitung | von Kirsten Gehrke

Ein Football-Camp ist mehr                                   

als Sport. Hier lernen

Kinder auch Respekt vor

anderen Menschen.

SIEDENBOLLENTIN/DEMMIN.

Die ovalen Bälle liegen in der Kiste. Kim schnappt sich einen und schreibt mit einem schwarzen Stift ihren Namen auf das braune Leder. Die Kinder aus dem Football-Campsignieren die Bälle. Es sind Geschenke für die Sponsoren.

Ohne sie wäre in diesem Jahr das Präventionscamp ins Wasser gefallen, welches Trägerwerk Soziale Dienste und die Neubrandenburger Tollense Sharks gemeinsam seit fünf Jahren auf die Beine stellen.

Seit Montag sind 40 Mädchen und Jungen aus Neubrandenburg, Demmin, Altentreptow, Malchin und der Demminer Region in Siedenbollentin und lernen Flag Football.

Phillipp (13)  aus Loitz weiß, wie das Spiel geht. "Die Spieler, die nicht den Ball haben, müssen die Fahne ziehen", versucht er zu erklären. Er spielt lieber, als dass er es mit Worten ausdrückt. Zum zweiten Mal ist er im Camp. "Hier gefällt es mir sehr, ich komme jedes Jahr wieder", erzählt er und strahlt. Football sei einfach cool, die Bewegungen, die Koordination, die weiten Pässe. "Das ist was Neues, statt nur Fußball und Fahrradfahren, es ist eine Abwechslung."

Janine (15) aus Groß Zastrow ist zum ersten Mal dabei und vollauf begeistert. "Das macht total Spaß", meint sie. "Ich möchte am liebsten nächstes Jahr wiederkommen".

Wie auch die Schwestern Ariane (9) und Michelle (11) aus Alt Kentzlin. Die jüngere, die schon mal dabei war, hat die ältere neugierig gemacht. "Das wollte ich auch mal sehen, wie es ist", sagt Michelle und fühlt sich pudelwohl.

Kim (12) aus Wolkow hat dagegen schon mehr Praxis. Zum dritten Mal im Camp, freut sie sich jedes Mal aufs Neue. "Zu Hause ist es langweilig." Football sei das einzig Schöne in den Sommerferien.

Mila Berglöf, einer der Trainer der Tollense Sharks, ruft die Footballer zusammen. Vom See erfrischt zurückgekehrt, kann es ans erste Training des Tages gehen. Das lassen sich die Kinder nicht zweimal sagen. Sie helfen beim Aufbauen des Feldes, streifen ihre T-Shirts über, legen die Fahnen an. Die ersten Ballwechsel sind vorbei, strahlen plötzlich alle.

Aufs Spielfeld kommen Antonio und Kien und klatschen die Flagfootballer freundschaftlich ab. Sie kennen sich vom Abend vorher. Da haben die beiden amerikanischen Profis aus Virginia eine Trainingseinheit übernommen. "Das fanden die Kinder total cool", erzählt Mila Berglöf. Zwar verstanden sie kein Englisch, aber es sei viel über Handsprache gelaufen. Gestern sind sie wiedergekommen und müssen gleich Autogramme auf T-Shirts schreiben.

Antonio und Kien spielen derzeit in Neubrandenburg, die Tollense Sharks haben sie für die Saison ausgeliehen. Momentan rangieren sie in der Tabelle der 3. Bundesliga auf Rang drei. Das macht Eindruck.

Susanne Wilken vom Trägerwerk Soziale Dienste ist glücklich. Ihr war es wichtig, dass es mit dem Football-Camp weitergeht. Entstanden war die Idee vor Jahren nach einer Begegnung mit dem Neubrandenburger Stefan Lehmann. Der hatte an Schulen zur Gewaltprävention die Sportart vorgestellt und von einem Projekt in Brandenburg erzählt, wo Sport und Prävention miteinander verbunden wurden. "Warum können wir das nicht auch, habe ich mich gefragt", erinnert sich Susanne Wilken. In Stefan Weichler vom Diakonischen Werk fand sie einen Mitstreiter, der sofort dazu Lust hatte. So haben die Tollense Sharks, das Trägerwerk und das Diakonische Werk das Camp ins Leben gerufen.

"Angefangen haben wir mit 20 Plätzen." Im vergangenen Jahr wurde die Zahl auf 30 aufgestockt. Nun sind es mit Neubrandenburgern sogar 40.

Bisher habe der Lokale Aktionsplan (LAP) das Projekt gefördert. Mit dem neuen Landkreis war damit Schluss. Das Camp drohte zu scheitern. Doch Susanne Wilken wollte sich damit nicht abfinden.

Sie suchte Spender und fand sie schnell. Viele waren von dem Projekt begeistert. Der Landrat habe zum Beispiel über die Leo-Stiftung geholfen,die Stadt Demmin über Hospital St. Spiritus, Banken, Fördervereine von Schulen und viele private Firmen."Das war einfach toll." Denn das Football-Camp sei nicht nur Spiel und Spaß, sondern eine Mischung aus Sport, Regeln und schöner Ferienwoche.

Die Kinder lernten kennen, was Krieg heißt und Rassismus bedeutet, sie trafen einen Afghanistan-Soldaten, stellten ihm viele Fragen. Im Camp sollen sie ihre Verhaltensweisen überdenken, wie gehe ich mit Anderen um. Prävention. Die Kinder kommen oft aus schwierigen Familienverhältnissen.

Hier ein Stück zu helfen, das findet Susanne Wilken wichtig. "Deshalb kämpfe ich auch im nächsten Jahr!"

 

Jeder Sponsor soll einen Ball bekommen, signiert von den

Kindern. Ohne sie hätte es kein Camp gegeben. Hier schreibt

Kim ihren Namen auf das Oval.

 

 

Beim Flagfootball müssen die Verteidiger den ballführenden Spieler stoppen,

indem sie ein Fähnchen aus dem Gürtel ziehen.

Tackling wie beim American Football gibt es nicht.

 

Die Amerikaner Antonio (vorn)

und Kien, Football Profis bei

Virginia, schauten gern im

Camp in Siedenbollentin vorbei

und übernahmen mit den

Kindern eine Trainingseinheit.

 

 

 

 

     

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