Trägerwerk soziale Dienste

"Es gibt nichts, was ich nicht kann"

Etwa 30 Jugendliche aus dem Kreis Demmin erlebten im Flagfootball-Camp in den Herbstferien mehr als nur Sport. Geschichte war auch dabei.

Demminer Zeitung

von Kirsten Gehrke

Demmin. Flagfootball war für Arbenita (16) etwas völlig Neues. "Das macht einfach Spaß, ich komme das nächste Mal wieder". sagt sie. "Toll." Das findet auch Cassandra (12). "Total schön. man rennt, hat Sport und wir unternehmen noch was". Hugo ist mit sieben Jahren der Kleinste und ist wie Maximilian (13) zum ersten Mal dabei. Egal wie groß oder schwer einer ist, Football spielen kann jeder. In den Herbstferien trafen sich jeden Tag rund 30 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Demmin in der Jahnturnhalle der Hansestadt im Flagfootball-Camp - ein Gemeinschaftsprojekt des Trägerwerks Soziale Dienste und dem Kreisdiakonischen Werk sowie den Tollensesharks aus Neubrandenburg, gefördert vom Lokalen Aktionsplan "Vielfalt tut gut". Dabei ging es um Gewaltprävention.

Die Jugendlichen unterschiedlicher Charaktere haben sich super verstanden. "Wir hatten überhaupt keinen Stress", sagte Stefan Lehmann von den Tollense Sharks. Es seien Regeln aufgestellt worden: keine Gewalt, keine Schimpfwörter, sonst standen Liegestütze an, und auf die Schwächeren zu achten. Beim Flagfootball - einer kontaktarmen Variante des American Footballs, wo anstelle des Tackelns der Ballträger durch Abreißen einer Flagge vom Gürtel gestoppt wird - könne jeder spielen. Niemand werde so wie beim Fußball eingeteilt oder sitze auf der Bank. "Es gibt nichts, was ich nicht kann, das wissen die Kinder", erklärte Lehmenn. Das Spiel sei schnell gelernt. Ihn freut es besonders, dass die Mädchen so toll mitmachen. Dabei stellte er fest, dass Mädchen mehr ans Team denken als an den persönlichen Erfolg wie Jungs. "Und sie sind vorsichtiger". Flagfootball könne man überall spielen. "Die Kinder haben Spaß, es gibt viele Punkte, jeder bekommt den Ball und hat was zu tun." Die Sportart sei nahezu verletzungsfrei, es gebe kaum Körperkontakt und keine Fouls. Die Tollense Sharks haben in der Gewaltprävention gute Erfahrungen damit gemacht und wollen diese an die Demminer weitergeben.

Bis 14 Uhr war in den Herbstferien täglich Training in der Jahnturnhalle. Danach hatten Maria Tiel und Katharina Hoffmann, Schulsozialarbeiterinnen des Trägerwerks Soziale Dienste, Stefan Weichler vom Kreisdiakonischen Werk sowie Yves Kießling, Michael Schulze und Stefan Lehmann von den Tollense Sharks weitere Angebote vorbereitet. In einem Gesprächskreis "Heißer Stuhl" gab es ein Antigewalttraining. Jeder sollte darüber nachdenken, wann er bei sich selbst Gewalt feststellt. Es wurde darüber geredet, was wütend macht, wie man Gewalt verarbeiten kann und Ventile findet. Da sei der Sport ein geeignetes Mittel.

Die Geschichte Demmins vom Mai 1945 lernten die Jugendlichen an einem anderen Nachmittag kennen. Vize-Bürgermeister Günter Behnke führte sie auf den Friedhof, erzählte, wie viele Menschen in den letzten Kriegstagen gestorben sind, als sie in Peene gingen. "Da hat es bei einigen ganz schön gerattert", erzählt Lehmann. Die Geschichte sei so weit weg, aber wenn sie vor einem Gräberfeld stehen, hätten sie Skrupel raufzugehen. "Die Kinder waren andächtig, bewegt, ein Junge hat gleich abends noch mal ins Internet geschaut und nachgelesen. Es war cool, wie der Herr Behnke das den Kindern rübergebracht hat." Auch Cassandra fand es beeindruckend. "Es war traurig, aber spannend", sagte sie. "Geschichte zum Anfassen, anders als in der Schule".

Bei den "Friesenspielen" am Donnerstag mussten die Camper in der Halle bleiben und konnten nicht an den Nonnensteig nach draußen. Das Wetter machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Spaß gab es trotzdem bei Gespenster-Slalom, Zielwurf, Sackhüpf-Slalom und Co. Sieben Disziplinen waren zu absolvieren. Zum Abschluss fuhren die Flagfootballer gestern nach Neubrandenburg auf den Datzeberg und traten gegen die "Giants" der Tollense Sharks an. Die Demminer liefen mit zwei Teams auf  -den "Hornets" und den "Eisbären". Mit 82:65 Punkten holten sich die "Hornets" sogar den Gesamtsieg vor den "Giants" (62:65) und "Eisbären" (70:84).

Für die Feriencampwoche gab es viele Förderer. Neben dem Lokalen Aktionsplan "Vielfalt tut gut" haben Günter Behnke aus dem Rathaus, das Jugendhaus Friesenhöhe, eine Videothek, eine Bank und ein Imbiss in Demmin das Projekt unterstützt.

 

     

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